Ferdinand Raimund
Ausgewählte Briefe und Anzeigen

An Theaterdirektor Johann Nepomuk Štĕpanek in Prag

       

Wien am 7te Dezemb. 1826

Wohlgeborner Herr!
Verehrter Freund!

Ihrer gütigen Aufforderung zufolge, empfangen Sie das Manuscript meines Feenmädchens. Ich hoffe dass die Vorsicht welche ich in meinen Stücken gegen die Wiener Censur beobachte, mir auch das Vertrauen der v. Prager erwerben wird, denn meine Stüke kommen beynahe so unverändert aus den Händen der Censur, wie sie eingesendet werden. Das Honorar dieses Zauberspieles ist samt Partitur 100 [fl.] Conventions Münze. Nur an feststehenden Bühnen habe ich beschlossen meine Stücke zu verkaufen; damit sie erstens nicht zum Nachtheil meiner Ehre, verstrichen und verstümmelt aufgeführt werden, und damit ich mich vor dem gemeinen Schleichhandel bewahre, der, wie mich die Erfahrung belehrt, mit beliebten Theaterstücken betrieben wird. Was übrigens Herrn Mascheck anbetrifft, so ergreife ich mit Freude die Gelegenheit durch eine Gefälligkeit gegen ihn, meine Achtung gegen Sie auszusprechen, und ersuche Sie Verehrtester, ihm den Diamant unentgeldlich abschreiben zu lassen. Nur möchte er mir einen Revers einsenden, in dem er sich erklärt, daß er keine Fortsetzung dieses Rechtes ausüben wolle, Ihnen aber verehrter Freund, danke ich für das Vertrauen welches Sie in meine Producte setzen, und indem ich die besondere Ehre zu schätzen weiß, mit einem Manne Ihres Rufes in schriftlicher Berührung zu stehen, unterzeichne ich mich mit der ausgezeichnetsten

Hochachtung
als Ihr
ergebenster
Ferdinand Raimund
Regisseur des Theaters d. Leopoldstadt

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