Ferdinand Raimund
Ausgewählte Briefe und Anzeigen

An Frau Anna Gunz in Paris

       

Wien, am 30. July 1830.

Ihr wertes Schreiben ddo. 8. d. M, erhielt ich bei meiner Rückkehr von einer Reise am 20. d., und fand nach Durchlesung desselben, daß Ihr Anerbieten für mich zwar ehrenvoll, aber für den Augenblick nicht mit Bestimmtheit anzunehmen ist, denn Sie hatten die Seite nicht berührt, zu welchem Zwecke Sie meine dramatischen Erzeugnisse zu benutzen gedenken?

Ich muß daher bitten mir über einige Fragen gefälligst Auskunft zu geben, und zwar vor allem, ob meine Stücke bestimmt sind, auf irgend einem Theater in Paris und in welcher Sprache aufgeführt zu werden, und wer in dem Falle einer Übersetzung diese Arbeit auf sich genommen hat? Dies ist meine geistige Sorge für das Wohl meiner Erzeugnisse, die mir sehr am Herzen liegt. –

Sind meine Stücke, 7 an der Zahl, nemlich: „Der Barometermacher auf der Zauberinsel", „Der Diamant des Geisterkönigs", „Das Mädchen aus der Feenwelt oder der Bauer als Millionär", „Die gefesselte Fantasie", „Moisasur’s Zauberfluch", „Der Alpenkönig und der Menschenfeind" und „Die unheilbringende Zauberkrone" bestimmt, vor das Forum des Publikums in Paris durch die Darstellung gebracht zu werden, sei es nun in deutscher oder französischer Sprache, so kann ich in Hinsicht des Honorars keinen andern Vertrag mit dem Unternehmer eingehen als den, die in Frankreich für dramatische Produkte festgesetzten Prozent-Erträgnisse für den Autor nach jedesmaliger Produktion eines Stückes mit ihm zu theilen.

Sollte nun meine sehr schätzenswerthe Correspondentin mir gefälligst obige Fragen baldigst zu beantworten gesonnen sein, und die Bestimmung meines Honorars auf die von mir ausgesprochene Art billigen, und eingehen, so wird es mich ungemein erfreuen, hierüber Ihre Gesinnung im nächsten Briefe zu vernehmen.

Mit ausgezeichneter Achtung verharre ich Ihr ergebener Diener
Raimund.

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