Ferdinand Raimund
Ausgewählte Briefe und Anzeigen

An Karl Ludolph

       

München Am 15. April 831

Werther Freund!

Sie werden wohl ein wenig ärgerlich auf mich seyn, daß ich Ihren lieben Brief nicht beantwortet habe, doch meine Geschäfte und Geschäftskorespondenzen haben mich bis jetzt davon abgehalten, doch habe ich stets mit freundschaftlicher Theilnahme an Sie und Ihre Frau, welche ich herzlich grüßen lasse, gedacht und Sie oft durch die Toni grüßen lassen.

Daß es mir hier sehr gut, und immer besser geht, werden Sie wohl schon gelesen haben. Man versichert mich daß hier noch kein Schauspieler so volle Häuser, solche Wiederhohlungen der Vorstellungen und so enthusiastischen Applaus erzweckt hätte. Ich werde heute in dem Alpenkönig zum vorletzten Mahle und Montag in dem Quodlibet die Spandifankerl, welches vorgestern mit ungeheurem Beyfall in der Residenz gegeben ward, denn ich wurde sechsmahl gerufen, zum letzten Mahle auftreten.

Der allgemeine Wunsch des Publikums ist daß ich noch 12 Rollen geben möchte. Die Intendanz hat mir noch unterdessen mehrere Wiederhohlungen der Stücke angetragen, weil sie aber, indem Mad. Schröder Devrient täglich erwartet wird nichts Neues mehr in die Scene setzen kann, so nahm ich diesen Antrag nicht an, und der Intendant machte mir den Vorschlag meine Gastrollen im halben Novembr dieses Jahres, wieder neu zu beginnen, womit ich ziemlich einverstanden bin. Meine Krankheit welche über 3 Wochen gedauert, und aus der ich mich ohnehin schnell genug gerissen habe, hat mich in der Zahl meiner Rollen, wenigstens um 6 zurück gesetzt. Der König und die Königinn sind sehr zufrieden und applaudiren lebhaft, verlassen die Loge auch nicht eher bis ich am Schluße meine Danksagung bringe, hier ist bey dem Publikum kein Vergleich, mit dem von Wien anzustellen. Man ist hier viel kalter, und Fremde werden mit großer Strenge beurtheilt, denn die Gastfreundschaft, ist hier, aus verschiedenen Ursachen nicht zu Hause. Das Theater ist gewöhnlich nicht sehr besucht. Darum wünsch ich mir sehr Glück zu dem unerwarteten Erfolg, übrigens bin ich nicht nur so glücklich von Seite des Publikums ausgezeichnet zu werden, auch hochberühmte Personen, besonders HE Eslair welcher mich freundschaftlich zwang mit ihm Bruderschaft zu trinken, beehren mich mit Ihrem Neid, Kurz was beym Theater gebiethet, oder hervorragt, durstet nach der Erquikung meiner Abreise. /: Doch von dieser Stelle bitte ich keinen Gebrauch zu machen, wir werden wenn wir uns wiedersehen manches darüber sprechen/: Doch das sind unverwundende Dornen, welche mich nicht abhalten werden, Beyfallsrosen zu pflücken. Es ist noch kein Stück 3 Mahl mit der nehmlichen Besetzung gegeben worden, denn jedesmahl erkrankt Jemand. Und alle Veränderungen die von Seite der Regie vorgenommen werden sind elend, wenn ich sie nicht schon ein paarmahl hätte zu verhindern gesucht. Ich habe alle meine Stücke mit vieler Anstrengung in die Scene gesetzt und es war nothwendig, obwohl man meine Acuratesse hier nicht gewohnt ist. Ich habe aber auch einige sehr willige und gefällige Individuen getroffen, und im Ganzen, werden die durch mich neu einstudierten Stücke gut und fleißig gegeben. Spendirt wird wenig, nur Versetzstücke es befinden sich aber, so viele herrliche Decorationen an diesem ungeheuer großem Theater, daß man hinlänglich versehen ist, für alle Fälle. Ich gebe mir sehr viele Mühe deutlich zu seyn, und das Publikum ist mit meiner Verständlichkeit sehr zufrieden, während es über viele Mitglieder klagt. Auch war ich noch nie heiser, und weil ich nicht so anstrengend nacheinander beschäftigt bin, immer besser bey Stimme als an der Wien.

Doch wie geht es denn Ihnen, mein lieber guter Ludolph dessen Schicksal mich so sehr interessirt, was macht Ihre gute kranke Frau? Sind Sie wohl? Kommen Sie doch öfter zur Toni? Ich bin auf letztere recht böse, daß Ihre Anhänglichkeit sich mehr durch Worte, als durch That äussert, falsche Banknoten womit die Welt alle ihre moralischen Verbindlichkeiten abträgt. Ich wollte von hier nach Hamburg gehen, doch die Erhohlung, die ich meinen Kräften gönnen will, bestimmt mich da man mir Hamburg als einen nicht gesunden Ort schildert es auf den Herbst zu lassen, und einen andern Plan zu verfolgen. Pellet hat mir von Linz aus neuerdings für 6 Rollen 1800 f Scheine angetragen, und ich werde wohl, da das Theater so nahe ist, und alle meine Stücke, einstudiert sind, vieleicht Gebrauch von seinem Anerbiethen machen. Übrigens habe ich Anträge von Nürnberg, Brünn, Augsburg, Stuttgart, Breslau erst kürzlich erhalten, wovon ich mir nur Breslau aufbewahren will, von Berlin aus. Diesen Sommer will ich ins Gebirge und ein Stück schreiben. So nütz ich meiner Gesundheit und verdiene etwas, wenn auch nicht so viel. Nun leben Sie leben [!] wohl lieber Ludolph, grüßen Sie mir. HE von Karl, und seine Frau Gemahlin der ich zu dem Triumph ihres Werkes, gratulieren lasse, HE und Fr von Scheidlin. HE Scholz, und alle Herren vom Theater, die sich um mich bekümmern, nahmentlich aber HE Krones dessen freundlichen Brief, ich so bald ich kann beantworten werde, und wenn Sie Zeit haben, so schreiben Sie Ihrem
aufrichtigem Freunde Raimund

Franco
Wohlgeborrn Herrn Ludolph, dramatischer Künstler bey den k. k, pr Theatern an der Wien
und Josephstadt.
Abzugeben im Theatergebäude in Wien.

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