Ferdinand Raimund
Ausgewählte Briefe und Anzeigen

Übereinkunft mit Franz Edlen
von Marinelli

       

[Wien, 15. Oktober 1834.]

Übereinkunft.

Zwischen dem dramatischen Schriftsteller und Schauspieler Herrn Ferdinand Raimund und dem Herrn Franz Edlen von Marinelli, Eigentümer und Direktor des k. k. priv. Theaters in der Leopoldstadt, ist nachstehender Vertrag unter heutigem Tage rechtskräftig abgeschlossen worden, als:

Herr Ferdinand Raimund verbindet sich in dem k. k. priv. Theater in der Leopoldstadt zwölf Gastvorstellungen, und erhält dagegen von Herrn Franz edlen von Marinelli für jede der gespielten Rollen f. 100 C. Münze, sage Einhundert Gulden Convts. Mze. als Honorar; die dreizehnte Vorstellung wird auf den Namen des Herrn Ferdinand Raimund als sein Benefice angezeigt, wovon er die Hälfte des Nettoertrages erhält; – alle etwaigen Überzahlungen sind das Eigentum des Herrn Ferdinand Raimund, – Es versteht sich übrigens von selbst, daß Herr Raimund für diese Gastrolle dann kein Honorar bezieht. –

Sollten sich die beiden Herrn Kontrahenten sodann auf neuerliche zwölf Gastrollen vereinigen, so steht es Herrn Ferdinand Raimund frei, die ihm gebührenden zwei halben Benefizien in eine ganze zu vereinigen, und Herr Raimund erhält sodann für vierundzwanzig gespielte Gastrollen nebst dem für jede obiger Gastrollen ausgesprochenen Betrage in der fünfundzwanzigsten eine ganze Netto-Einnahme.

Herr Franz Edler von Marinelli erklärt auch hiemit, daß er das von Herrn Ferdinand Raimund verfaßte neueste Stück „Der Verschwender“ nur bei seinen Gastspielen verwendet, ferner ihm aber weder Eigentums- noch Benutzungsrecht zustehe.

Wien, den 15! Oktober 1834.
Josef Ritter von Cattarin als Zeuge Franz Edler von Marinelli.
I. Kemetner als Zeuge Ferd. Raimund

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