Ferdinand Raimund
Ausgewählte Briefe und Anzeigen

Aufforderung

       

[Wien, Januar 1828?]

Da man sich bemüht, das falsche Gerücht zu verbreiten, daß ich nicht allein der Verfasser meiner Stücke wäre, so sehe ich mich gezwungen, diese gemeine Verläumdung zu widerlegen.

Ich behaupte daher öffentlich, daß alles, was bisher unter meinem Nahmen erschienen, es mag nun gemeinere oder höhere Ideen, lokale oder hochdeutsche Worte, Prosa oder Verse enthalten, ausschließlich durch mich allein, ohne der geringsten Beyhülfe eines andern, dem, von mir so hochverehrten Publicum von Wien gebothen wurde. Und stelle die öffentliche Frage: Ob sich Jemand findet, der das Gegentheil behaupten kann. ?–?–?

Übrigens bin ich weit entfernt, von dem strafbaren Wahn, daß eine meiner geringen Leistungen werth wäre, ihr Eigenthumsrecht auf eine so eclatante Weise zu vertheidigen, und nur die hohe Achtung vor dem unschätzbaren Vertrauen, welches mir das gütige Publikum durch so viele Jahrs schenkt, bestimmt mich, meine Ehre, vor derley neidischen Erfindungen für immer zu bewahren. Darum lasse ich diese Aufforderung auch für jedes meiner künftigen Producte gelten, weil ich das sichere Bewußtseyn in mir trage, daß ich es nie wagen werde, meinen Nahmen fremden Erzeugnissen beyzulegen, und dem verehrten Publicum stets nur das Wenige biethen werde, was ich selbst vermag.

Ferdinand Raimund
Regisseur des Theaters in der Leopoldstadt

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