Ferdinand Raimund
Gedichte und Stammbuchblätter

Hüons Glückwunsch

  

Liebenswürdigstes Fräulein Toni!
Es naht voll Demut sich ein seltner Gratulant,
Der allen ändern nur durch seinen Zweck verwandt,
Doch an dem großen Tag, der Sie ins Leben rief,
Ergreift sein hündisch Herz Erinnrung doppelt tief,
Er weiß, daß er ja oft Ihr holder Zeitvertreib,
Drum schmückt mit roten Schleifen er den schwarzen Leib
Und wünschet zum Geburtstag alles Heil und Glück;
Dann danket er bewegt mit tränenvollem Blick
Für Brot und Fleisch und Schmarrn von weißem Grieß.
Von Ihrer Hand schmeckt dies so himmlisch süß;
Es geb nur Gott, daß es noch lang so fortbesteh.
Vor allen Dingen doch entzückt ihn der Kaffee,
Den durch Ihr edles Herz ohn all Begehren
Ganz gen den Willen seines strengen Herren,
Wenn kaum Aurora noch ihr rosig Tor erschließt,
Er im Familienzirkel froh genießt.
Auch freut er sich, nur wagt ers kaum zu sagen,
Daß Sie den Herrn so schmähn, will er ihn manchmal schlagen.
Und ihn verteidigen, was Ihre Huld beweist,
Wenn auch sein scharfer Zahn ein Loch ins Sofa reißt.
Für dieses und was künftig Sie ihm noch erweisen,
Kann Sie sein dankbar Herz nicht würdig preisen,
Der Himmel sende Ihnen einst den schönsten Lohn,
Dies wünscht
            Ihr tiefgerührter Hund Hüon.

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